👋 Willkommen zum LogTech Pulse vom 17.03.2026!

Agentic AI ist in aller Munde – aber was bedeutet das konkret für die Logistik? Während humanoide Roboter bei BMW ihren ersten Werkseinsatz erleben und die WMS-Landschaft durch eine bedeutende Übernahme neu geordnet wird, zeigt sich: Die Branche ist mitten in einem fundamentalen Umbau. Und der Iran-Krieg erinnert uns gerade wieder brutal daran, dass Technologie allein keine resiliente Lieferkette macht.

🗓️ Agenda

  • Editorial: Agentic AI – Vom Hype zur operativen Realität

  • IFS übernimmt Softeon: WMS-Markt in Bewegung

  • BMW testet humanoide Roboter in Leipzig

  • Kühne+Nagel: Stellenabbau nach Gewinnrückgang

  • KNAPP Brain: Intelligenz vom Forecasting bis zur Last Mile

  • LogiMAT 2026: Über 100 Premieren in Stuttgart

  • Geopolitik: Iran-Krieg setzt Lieferketten unter Druck

  • Lesenswert

💡 Editorial: Agentic AI – Vom Hype zur operativen Realität in der Logistik

Es gibt Technologiebegriffe, die kommen und gehen. Und dann gibt es Entwicklungen, die sich schleichend in die Tiefe des Betriebs fressen – bis man eines Tages feststellt, dass sich die Spielregeln geändert haben. Agentic AI gehört zur zweiten Kategorie.

Was ist der Unterschied zu dem, was wir bisher kannten? KI, die assistiert, gibt es schon länger: Dashboards, Anomalie-Erkennung, Routenvorschläge. Agentic AI hingegen handelt. Sie nimmt Entscheidungen autonom vor, koordiniert andere Systeme und löst Ausnahmen – ohne dass ein Mensch jeden Schritt absegnen muss.

C.H. Robinson hat das bereits gelebt: Die „Digital Workforce" übernimmt Transaktionsprozesse, damit Menschen sich auf komplexe Ausnahmen konzentrieren können. Was vor einem Jahr noch ein Pilotprojekt war, wird 2026 zur Standarderwartung in RFPs.

ERP, TMS und WMS müssen sich von „Systems of Record" zu „Systems of Action" entwickeln. Wer das nicht schafft, verliert Relevanz. Die Frage ist nicht mehr „Haben wir KI?", sondern „Wie viel Autonomie geben wir den Systemen – und wo ziehen wir die Grenze?" Die nächste Welle an Chancen liegt nicht im Bauen neuer KI-Modelle, sondern im Einbetten von Agenten in bestehende operative Prozesse – dort wo es wehtut: Reklamationsabwicklung, Carrier-Kommunikation, Zolldokumentierung.

Ein Warnsignal am Rande: Die Studie zur „Knowing-Doing Gap" aus dem letzten Jahr hat gezeigt, dass viele Unternehmen die Dringlichkeit kennen, aber nicht handeln. Mit Agentic AI wird diese Lücke teurer – weil die Wettbewerber, die jetzt handeln, operative Kostenvorteile aufbauen, die sich nicht mehr einfach aufholen lassen.

📰 Meldungen

🤝 M&A: IFS übernimmt Softeon – der WMS-Markt ordnet sich neu

Der ERP- und Servicemanagement-Anbieter IFS hat das auf Lagerverwaltungssoftware spezialisierte Unternehmen Softeon übernommen. Für die Branche ist das mehr als eine weitere Konsolidierungsmeldung: IFS rundet damit sein Angebot im Bereich Supply Chain Execution massiv ab und tritt nun als vollständige Suite gegen SAP, Blue Yonder und Manhattan Associates an.

Warum das wichtig ist: Der WMS-Markt konsolidiert sich weiter. Kunden, die heute auf Best-of-Breed setzen, werden morgen immer öfter mit integrierten Suites konfrontiert – mit allen Vor- und Nachteilen. Die Anforderungen an Integrierbarkeit und Differenzierung für spezialisierte Lagerlogistik-Anbieter werden damit höher.

🤖 Robotik: BMW erprobt humanoide Roboter im Werk Leipzig

BMW testet im Leipziger Werk erstmals humanoide Roboter im realen Produktionsumfeld. Die Systeme sollen zunächst einfache, repetitive Aufgaben übernehmen – kein vollautonomer Betrieb, aber ein wichtiger Proof-of-Concept. Der Schritt von der Demo-Halle in die Fabrik ist der schwierigste. BMW macht ihn jetzt. Was dabei gelernt wird, wird die nächste Generation industrieller Automatisierung prägen.

📉 Personal: Kühne+Nagel forciert Stellenabbau nach Gewinnrückgang

Der Schweizer Logistikkonzern setzt seinen Restrukturierungskurs fort: Nach einem spürbaren Gewinnrückgang werden weitere Stellen abgebaut. Das Unternehmen reagiert damit auf veränderte Marktdynamiken im Luft- und Seefracht-Segment.

Warum das wichtig ist: Kühne+Nagel ist kein Einzelfall. Viele große Freight-Forwarder kämpfen nach dem Post-COVID-Boom mit normalisierten Margen. Die Konsequenz: Automatisierungs- und Effizienzprojekte werden wieder priorisiert – was LogTech-Anbietern mit klarem ROI-Versprechen Rückenwind gibt.

🧠 Produkt-Launch: KNAPP Brain – Intelligente Steuerung vom Forecasting bis zur Last Mile

KNAPP, das österreichische Intralogistik-Unternehmen, hat seine neue KI-Plattform „KNAPP Brain" vorgestellt. Das System soll die gesamte Wertschöpfungskette des Lagers abdecken: von der Bedarfsprognose über die operative Steuerung bis zur Auslieferung. Besonders interessant: Die Integration eines Corporate Start-ups der Gruppe zeigt, wie sich etablierte Anbieter durch interne Innovation erneuern.

Quelle: KNAPP

🏭 Event-Preview: LogiMAT 2026 – Über 100 Premieren in Stuttgart angekündigt

Die Intralogistik-Leitmesse LogiMAT findet Ende März in Stuttgart statt. Die Veranstalter vermelden bereits jetzt über 100 Weltpremieren. Für die deutschsprachige LogTech-Community ist die Messe traditionell ein wichtiger Seismograph: Was dort gezeigt wird, landet 12–18 Monate später in den Beschaffungsentscheidungen der Lager- und Supply-Chain-Manager.

🌍 Geopolitisches Lagebild: Iran-Krieg trifft Lieferketten

Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hinterlässt deutliche Spuren in der globalen Logistik. Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise – Verbände wie UVL fordern bereits eine politische Preisbremse, während die Margen im Straßengüterverkehr weiter erodieren. Reedereien melden massive Zusatzkosten durch Umroutungen und steigende Versicherungsprämien. Wer Routen durch die Straße von Hormus kalkuliert hat, muss neu rechnen. Die Preise für logistisch relevante Rohstoffe (Stahl, Aluminium, Treibstoffe) steigen und erhöhen den Druck auf alle kapitalintensiven Segmente – von der Flottenfinanzierung bis zum Lagerbau.

Das Fazit: Resilience ist keine nette Zusatzfunktion mehr, sondern Kernmerkmal jeder ernstzunehmenden Supply-Chain-Software. Lösungen, die Szenario-Simulation und alternative Routing-Optionen bieten, werden gerade wieder relevant.

📚 Lesenswert am Rande

  • „The Supply Chain Control Tower: Myth & Reality (Part I)" – Ein nüchterner Blick darauf, warum Control Towers so oft scheitern und was die technischen sowie organisatorischen Voraussetzungen für echten Mehrwert sind. → Logistics Management

  • „2026 Outlook Survey: Signs of Caution, but Automation Marches On" – Neue Daten zeigen: Trotz Investitionszurückhaltung bleibt Automatisierung die klare Priorität. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell. → Logistics Management

🎙️ Spotlight: Die neueste Podcast-Folge

LogTech Lab #2: Die ersten Klicks in unserer eigenen Software

In Folge 2 des LogTech Labs wechseln wir von der Theorie in die Praxis: Das Ziel ist ein Tool, das ungenutzte Spot Quotes in der Logistik reaktiviert – gebaut mit Vibe Coding, also komplett ohne klassische Programmierkenntnisse. Im Mittelpunkt steht ein direkter Vergleich zweier KI-Entwicklungstools: Lovable und Antigravity von Google.

Lovable liefert in kürzester Zeit eine klickbare, visuell ansprechende Oberfläche – verliert aber nach dem initialen Prompt schnell den Kontext und baut oberflächlich. Antigravity hingegen erfordert etwas mehr technisches Setup, glänzt dafür mit strukturierter Planung und iterativer Entwicklung. Transparent gezeigt werden auch die Stolperfallen: Login-Probleme, DNS-Einstellungen, eine kurz lahmgelegte Website.

Key Takeaways aus der Episode

  • Lovable vs. Antigravity ist wie iOS vs. Android: Lovable gibt viel vor und ist schnell – Antigravity gibt mehr Freiheit, erfordert aber mehr technisches Verständnis.

  • Vibe Coding funktioniert – bis es wehtut: Man kommt erstaunlich weit ohne Coding-Kenntnisse. Aber bei Edge Cases (DNS-Settings, E-Mail-Integrationen, User-Rollen-Logik) wird es schnell mühsam.

  • 25 Euro, eine Nacht, ein funktionaler Prototyp: 200 Lovable-Credits reichen für einen ersten Bauabschnitt – ein realistischer Einstieg für Logistiker, die ihren eigenen Use Case testen wollen.

  • Der Kontext-Verlust ist das eigentliche Problem: Wer einen langen Erstprompt schreibt und erwartet, dass das Tool proaktiv weiterdenkt, wird enttäuscht. Iteratives Prompting ist Pflicht.

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