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👋 Willkommen zum LogTech Pulse vom 09.06.2026!

Die vergangene Woche liefert gleich mehrere Themen, die wir in der LogTech-Community ernst nehmen sollten: Ein globaler Konzern scheitert an einer KI-Implementierung und kehrt zum Status quo zurück, der Bund startet eine lang übfällige digitale Infrastruktur für den Straßengüterverkehr, und im Schienensegment wird nach Jahren der Forschung ein Meilenstein präsentiert. Querdenken lohnt sich - die Verbindungen zwischen diesen Meldungen sagen mehr über den Zustand der Branche als jede einzelne für sich.

🗓️ Agenda

  1. Editorial: Wenn KI scheitert - was wir von Starbucks lernen können

  2. Bundesplattform Lkw-Parkplätze

  3. Digitale Automatische Kupplung

  4. KI in der Projektlogistik

  5. Cobot im Leergutmanagement

  6. AGV/AMR-Flottenplanung

  7. Lesenswert am Rande: Datenschutz im modernen Fuhrpark

💡 Editorial: KI-Einführung ist kein Sprint - der Starbucks-Moment als Lehrstunde

Starbucks hat sein KI-gestütztes Bestandsverwaltungssystem rund neun Monate nach der Einführung wieder abgeschafft. Das System nutzte Computer Vision, um Lagerbestände zu erfassen - und wurde von den Mitarbeitenden klar als unzuverlässig bewertet. Reuters berichtete, das System habe gelegentlich Artikel falsch gezählt oder falsch beschriftet; Starbucks bestätigte das nicht direkt, teilte aber intern weitergegebene Mitarbeiterkommentare mit - darunter "Sehr dankbar, dass unsere Gedanken zur KI-Zählung gehört wurden".

Was auffällt: Das ist kein Einzelfall. Wir sehen ihn regelmäßig, besonders bei Large-Scale-Rollouts von Computer Vision und autonomer Erkennung in unstrukturierten, dynamischen Umgebungen. Kaffeetheken mit wechselndem Sortiment, unterschiedlichem Licht und sich ändernden Regalplanogrammen sind eine deutlich schwierigere Umgebung als ein Hochregallager mit klar definierten Positionen.

Die entscheidende Frage für die LogTech-Community: Woran scheitern solche Projekte? In den meisten Fällen nicht an der Technologie selbst, sondern an falschen Erwartungen, fehlender Changebegleitung und zu wenig Einbindung der Nutzer. CEO Brian Niccol hatte erst Anfang 2026 angekündigt, bis Ende des Jahres tägliche Nachlieferungen in allen Cafes einzuführen - die KI sollte dabei helfen. Jetzt kehrt man zur einheitlichen, manuellen Zählung zurück.

Was das für uns bedeutet: Wer KI einführt, sollte vor dem Launch drei Fragen beantworten können. Erstens: Versteht das Frontline-Personal den Mehrwert des Systems - für ihre eigene Arbeit, nicht nur für das Unternehmen? Zweitens: Ist die Qualität der Eingabedaten (Beleuchtung, Kameraposition, Produktvarianz) hinreichend kontrolliert? Drittens: Gibt es einen definierten Eskalationspfad, wenn das System versagt? Wer diese Fragen nicht vorab klärt, riskiert den Starbucks-Moment - und der kostet mehr als die ursprüngliche Investition, nämlich Reputation.

📰 Meldungen

🅿️ Infrastruktur: Bund startet Echtzeit-Plattform für Lkw-Parkplätze

Das Bundesverkehrsministerium hat mit dem neuen Stellplatzinformationsdienst (SID) eine bundesweite digitale Lösung für die Suche nach Lkw-Parkplätzen gestartet. Das System stützt sich auf rund 1.850 Autobahnrastanlagen und speist sich aus Mautdaten - Navigations- und Logistiklösungen können die Daten kostenfrei integrieren. Geplant ist die spätere Einbindung von Bundesstraßenrastanlagen sowie privaten Autohöfen.

Warum das wichtig ist: Lkw-Parkplatzmangel ist eines der ungelösten Alltagsprobleme im Straßengüterverkehr. Dass der Bund jetzt offene Schnittstellen bereitstellt, ist der richtige Schritt - entscheidend wird sein, wie schnell TMS- und Telematikanbieter die Daten tatsächlich integrieren.

🚂 Schienentechnik: DAK-Abschlussbericht präsentiert - Meilenstein für den Schienengüterverkehr

Bundesverkehrsminister Schnieder bezeichnete die Digitale Automatische Kupplung als "Schlüsseltechnologie", um mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. Das seit 2020 laufende Forschungsprojekt DAK-Demonstrator, finanziert mit rund 30 Millionen Euro Bundesmitteln, hat die Praxistauglichkeit unterschiedlicher DAK-Systeme auf europäischen Strecken, Rangierbahnhöfen und Fährverbindungen nachgewiesen.

Warum das wichtig ist: Güterwagen werden in Europa noch immer überwiegend manuell mit der Schraubenkupplung verbunden - ein Prozess, der seit über 100 Jahren nahezu unverändert ist. Die DAK ist die technische Voraussetzung für automatisierte, digitale Zugbildung und damit für wettbewerbsfähigen Schienengüterverkehr gegenüber der Straße.

🤖 Intralogistik: Cobot "Kalle" übernimmt Leergutmanagement bei Automobilhersteller

Leadec setzt im Leergutmanagement eines Automobilherstellers auf eine KI-gestützte Pick-and-Place-Lösung namens "Kalle". Der Cobot erkennt Kleinladungsträger automatisch, greift sie und stapelt sie - täglich werden rund 12.000 KLT und 1.800 Paletten im Zweischichtbetrieb verarbeitet. Ziel: eine bisher vollständig manuelle Tätigkeit automatisiert abzubilden, ohne bestehende Abläufe grundlegend umzustellen.

Warum das wichtig ist: Dieses Projekt zeigt, wie KI-gestützte Automatisierung praktisch gelingt - klein anfangen, konkreten Prozess nehmen, Mitarbeitende einbinden. Der Kontrast zum Starbucks-Fall ist lehrreich.

Quelle: MM Logistik

📍 Projektlogistik: KI-Plattform am Port of New Orleans - Wendepunkt für Schwergutlogistik?

Ein Technologie-Rollout am Port of New Orleans könnte den Weg für eine breitere Einführung von KI-Tools im globalen Schwergutumschlag bereiten. Die Adoption einer KI-gestützten Plattform gilt als Signal für ein wachsendes Interesse im bisher technologisch zurückgebliebenen Segment der Projektlogistik.

Warum das wichtig ist: Projektlogistik ist eines der letzten großen Segmente, das von Digitalisierung weitgehend unberührt geblieben ist. Wenn Häfen beginnen, KI-Lösungen in die Abwicklung zu integrieren, folgt erfahrungsgemäß schnell breiteres Interesse bei Spediteuren und Verladern.

🏭 Automatisierung: AGV und AMR im Gesamtsystem planen - 3D-Simulation als Pflicht

Mit zunehmender Zahl mobiler Roboter stößt klassische Planung über Excel an Grenzen. Ralf Dohndorf von Dualis betont, dass im späteren Betrieb das Zusammenspiel von Fahrzeugen, Auftragsprioritäten, Pufferflächen, Ladeinfrastruktur und weiteren Automatisierungskomponenten entscheidend sei - bereits kleinere Layoutänderungen können spürbare Auswirkungen auf Durchsatz und Auslastung haben. Die 3D-Simulationslösung von Dualis/Visual Components soll genau hier Planungssicherheit schaffen.

Warum das wichtig ist: Wer eine AGV/AMR-Flotte aufbaut, ohne das Gesamtsystem simuliert zu haben, riskiert kostspielige Nachoptimierungen. Simulationstools werden zur Standardausstattung moderner Lagerplanungen.

Quelle: MM Logistik

📚 Lesenswert am Rande

"Datenschutz im modernen Fuhrpark" - Der VR-Podcast Folge 355 beleuchtet, welche Fahrzeugdaten rechtlich erhoben werden dürfen und wo die Grenzen liegen - ein Thema, das mit dem Rollout smarter Telematik immer drängender wird. -> Verkehrsrundschau Podcast

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