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👋 Willkommen zum LogTech Pulse vom 23.06.2026!

Diese Ausgabe hat einen klaren roten Faden: Technologie rückt näher an den operativen Kern. Mal durch Übernahmen im Transportmittelstand, mal durch KI gestützte Planungssysteme, mal durch automatisierte Standorte. Die spannende Frage dahinter: Wer nur Software anbietet, bleibt Dienstleister. Wer operative Kontrolle bekommt, kann den Wandel selbst beschleunigen.

🗓️ Agenda

  1. Editorial: NexDash und der Neo Carrier Ansatz

  2. Trimble bringt ein neues KI gestütztes TMS für Shipper

  3. UPS erweitert Tracking, Retouren und Kundenservice mit KI

  4. Nestlé eröffnet hochautomatisiertes Distributionszentrum in Kalifornien

  5. Zollregeln in den USA werden komplexer

  6. DSV setzt in Venlo auf Exotec Skypod

  7. Lesenswert am Rande

💡 Editorial: Wenn LogTech operative Assets kauft

NexDash übernimmt March Transporte aus Rheinbach. Die Spedition verfügt laut VerkehrsRundschau über 26 Lkw, rund 6,5 Millionen Euro wiederkehrenden Jahresumsatz und soll im Juli 2026 wirtschaftlich übergehen. Gründer Marco March bleibt Geschäftsführer, Standort, Mitarbeitende und Kundenbeziehungen sollen bestehen bleiben.

Das allein wäre noch keine ungewöhnliche Transaktion. Interessant wird der Deal durch die Logik dahinter. NexDash spricht von einem Neo Carrier Modell. Erst Konsolidierung, dann Elektrifizierung, dann Digitalisierung der Prozesse, anschließend Autonomisierung des Betriebs. Das Unternehmen will March Transporte mit seinem KI Flottenbetriebssystem NexOS integrieren, Routen und Auslastung optimieren und im zweiten Halbjahr 2026 erste elektrische Lkw einsetzen.

Damit verschiebt sich der Blick auf LogTech. In den letzten Ausgaben ging es mehrfach um Softwarekonsolidierung, etwa bei Sichtbarkeit, Plattformen oder Workflow Tools. NexDash geht einen anderen Weg: Nicht nur Software an Speditionen verkaufen, sondern selbst Transportkapazität kaufen und transformieren. Das ist riskanter, kapitalintensiver und operativ deutlich schwerer. Gleichzeitig entsteht dadurch ein anderer Hebel. Wer die Flotte selbst steuert, kann Technologie, Finanzierung, Einkauf, Elektrifizierung und Prozessstandardisierung direkt zusammenführen.

Für den fragmentierten deutschen Transportmittelstand ist das ein spannendes Signal. Viele kleine und mittlere Speditionen haben volle operative Kalender, knappe Margen und wenig Luft für große Transformationsprogramme. Genau dort setzen Buy and Build Modelle an. Sie bündeln Betriebe, schaffen Skaleneffekte und bringen Technologie in bestehende operative Strukturen.

Die offene Frage ist nicht, ob das Modell auf einer Präsentation gut aussieht. Die offene Frage ist, ob es im Alltag funktioniert. Disposition, Fahrerbindung, Kundenerwartungen, Ladeinfrastruktur, Finanzierung und Bestandskunden lassen sich nicht per Software Update harmonisieren. Wenn NexDash diesen Spagat schafft, könnte daraus mehr werden als ein weiterer digitaler Spediteur. Dann wäre es ein Modell dafür, wie Dekarbonisierung und Digitalisierung im Transportmittelstand praktisch umgesetzt werden können.

📰 Meldungen

💻 Software: Trimble bringt ein neues KI gestütztes TMS für Shipper

Trimble hat ein cloudnatives Transportation Management System für nordamerikanische Shipper vorgestellt. Das System soll Transportplanung, Frachtbeschaffung, Visibility, Dock und Yard Management, Freight Audit sowie Routing in einer flexiblen Umgebung bündeln. Trimble positioniert das Produkt als modularen Kern, der bestehende ERP Systeme integrieren und durch KI Funktionen unter anderem Planung, Transportzuweisung, ETA Prognosen und Carrier Prüfung automatisieren soll.

Warum das wichtig ist: TMS Systeme werden immer weniger reine Prozessdatenbanken. Sie entwickeln sich zu operativen Steuerungszentralen. Wer Planung, Visibility und Ausführung in einem System verbindet, kann schneller auf Störungen reagieren und manuelle Übergaben reduzieren.

Quelle: Trimble

📦 Paketlogistik: UPS erweitert Tracking, Retouren und Kundenservice mit KI

UPS rollt neue KI Werkzeuge für Tracking, Retouren und Kundenservice aus. Laut Logistics Management sollen die Funktionen Kunden dabei helfen, Sendungen besser zu verfolgen, Rückgabeprozesse einfacher zu steuern und Serviceanfragen effizienter zu bearbeiten. Damit wandert KI noch stärker in die sichtbaren Kundenschnittstellen der Paketlogistik.

Warum das wichtig ist: Paketlogistik wird nicht nur über Netzwerkeffizienz entschieden. Erwartungshaltung, Transparenz und einfache Problemlösung sind längst Teil des Produkts. KI kann hier helfen, Servicekosten zu senken und gleichzeitig die Nutzererfahrung zu verbessern.

🏭 Automatisierung: Nestlé eröffnet hochautomatisiertes Distributionszentrum

Nestlé USA hat in Arvin, Kalifornien, ein 700.000 Quadratfuß großes Distributionszentrum eröffnet. Laut Supply Chain Dive ist es mit digitalen Technologien, automatisierten Lager und Retrieval Systemen, lasergeführten Fahrzeugen und Layer Picking Robotik ausgestattet. Das Werk ist Teil eines größeren Investitionsprogramms in den USA. Nestlé will den Standort vollständig mit erneuerbarem Strom versorgen und als Zero Waste Site betreiben.

Warum das wichtig ist: Automatisierung wird bei großen Verladern direkt in neue Standortkonzepte eingebaut. Das ist ein Unterschied zu nachträglichen Automatisierungsprojekten. Wer Lager, Software, Nachhaltigkeit und Peak Fähigkeit von Anfang an gemeinsam plant, bekommt andere Freiheitsgrade.

🌍 Regulierung: Zollregeln in den USA werden komplexer

Supply Chain Dive berichtet über veränderte Zollregeln in den USA und deren Auswirkungen auf Shipper. Unternehmen müssen ihre Importer of Record Strukturen prüfen und mehr Transparenz in ihren Lieferketten schaffen. Besonders relevant wird das dort, wo Warenströme, Lieferantenrollen und Zollverantwortung über mehrere Partner verteilt sind.

Warum das wichtig ist: Zoll und Compliance sind kein Backoffice Thema mehr. Wenn Regeln kurzfristig kippen, braucht Supply Chain Management belastbare Daten über Herkunft, Verantwortlichkeiten und Warenbewegungen. Visibility wird damit auch regulatorische Infrastruktur.

🤖 Intralogistik: DSV setzt in Venlo auf Exotec Skypod

DSV implementiert im Logistikzentrum Venlo das Skypod System von Exotec. Die Lösung verbindet mobile Roboter, Regalsysteme und Ware zur Person Prozesse, um Durchsatz und Flexibilität im Lager zu erhöhen. Für einen globalen Logistikdienstleister wie DSV ist das kein Experiment im Nebenraum, sondern ein Baustein für skalierbare Standortautomatisierung.

Warum das wichtig ist:

Flexible Robotik gewinnt dort an Relevanz, wo klassische Automatisierung zu starr ist. Gerade 3PL Standorte müssen Volumen, Kundenprofile und Produktmix immer wieder anpassen. Systeme wie Skypod adressieren genau diesen Bedarf.

📚 Lesenswert am Rande

  1. Agentic AI in der Logistik. MM Logistik ordnet ein, warum nicht jede Analyse oder Empfehlung schon operative Intelligenz ist. Entscheidend wird, ob Systeme eigenständig Schritte auslösen und in reale Abläufe eingebettet sind. → MM Logistik

  2. TUM RoboGym und Neura Robotics. Die TU München und Neura Robotics arbeiten an der Qualifizierung humanoider Roboter für Industrie und Intralogistik. Das Thema bleibt früh, aber es rückt sichtbar näher an praktische Einsatzfelder. → Logistik-Heute

  3. E-Flotten brauchen bessere Rahmenbedingungen. Die IRU fordert von der EU mehr Tempo bei Ladeinfrastruktur und regulatorischen Anreizen. Ohne belastbare Infrastruktur bleibt Elektrifizierung für viele Speditionen wirtschaftlich schwer planbar. → VerkehrsRundschau

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