👋 Willkommen zum LogTech Pulse vom 05.08.2026!
🗓️ Agenda
Bremen GVZ: Warum Logistikflächen nicht mehr nur verkauft werden
Drohnenlogistik: Warum Innovation manchmal am Landeplatz im Gesetz hängt
Dachser: Was Finanzstärke in schwachen Märkten wert ist
Agentic AI: Warum Speditionssoftware wieder spannend wird
C.H. Robinson: AI Effizienz ist auch eine Operating Model Frage
DP World: Fudschaira als Sicherheitsventil für die Schifffahrt
🏗️ Bremen GVZ: Warum Logistikflächen nicht mehr nur verkauft werden
Panattoni und die Nagel-Group sichern sich die letzte große freie Fläche im Bremer GVZ. Geplant ist ein Food-Logistikzentrum mit rund 36.650 Quadratmetern Nutzfläche und etwa 400 Arbeitsplätzen.
Interessant ist daran weniger die Immobilienmeldung selbst. Spannend ist, dass attraktive Logistikflächen an etablierten Standorten knapper werden. Nähe zu Kunden, Arbeitskräften, Häfen, Autobahnen, Schiene und vorhandener Infrastruktur wird zum strategischen Vorteil.
Für Bremen kommt eine zweite Perspektive dazu: Der Standort ist historisch stark in Food-Logistik, unter anderem bei Kaffee, Fisch, Tropenfrüchten und wichtigen Lebensmittelunternehmen. Die Nagel-Group setzt damit nicht nur auf Fläche, sondern auf ein bestehendes Ökosystem aus Infrastruktur, Zoll, Veterinärprozessen und regionaler Versorgung.
Warum das wichtig ist: Wer künftig gute Logistikstandorte bekommen will, muss mehr erklären als Flächenbedarf und Zahlungsbereitschaft. Entscheidend wird, warum ein Konzept politisch, wirtschaftlich und operativ Sinn ergibt.
🚁 Drohnenlogistik: Warum Innovation manchmal am Landeplatz im Gesetz hängt
Der Landtag in NRW hat beschlossen, Drohnenlandeplätze in die Landesbauordnung aufzunehmen. Ab dem 1. September 2026 werden sie dort als verfahrensfreie Bauvorhaben geführt.
Das klingt nach einem technischen Detail im Baurecht. Für Drohnenlogistik ist es aber ein wichtiger Schritt. Denn skalierbarer Betrieb braucht nicht nur Fluggeräte, Software und Genehmigungen in der Luft. Er braucht auch Orte am Boden, an denen Start und Landung rechtlich planbar sind.
Schon in unserer Podcast Folge mit Norman Koerschulte von Morpheus Logistik wurde deutlich, dass genau solche Lücken praktische Projekte ausbremsen können. Wenn ein Drohnenlandeplatz im Gesetz keine passende Kategorie hat, wird aus Innovation schnell ein Umweg durch Verwaltung und Interpretation.
Warum das wichtig ist: Viele LogTech-Innovationen scheitern nicht an der Technologie, sondern an den kleinen rechtlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen, die aus einem Pilotprojekt erst einen echten Betrieb machen.
📈 Dachser: Was Finanzstärke in schwachen Märkten wert ist
Während die Logistikweisen nur 0,5 Prozent Wachstum prognostizieren, wächst Dachser im ersten Halbjahr 2026 um 7 Prozent. Dahinter stehen mehrere Hebel.
Dachser hat in schwächeren Jahren weiter in Kapazitäten, Zukäufe und Standorte investiert. Gleichzeitig schützt das eigene Stückgutnetzwerk vor einem Teil der Auslastungsrisiken, die reine FTL-Modelle stärker treffen. Dazu kommt der Ausbau der Food-Logistik, unter anderem durch Zukäufe wie Müller Fresh Food, Frigoscandia und Brummer Logistik.
Auch Marktbedingungen helfen: Krisen im Roten Meer, geopolitische Spannungen und Notfallfrachten können Umsatz treiben. Trotzdem zeigt der Fall, was operative Unabhängigkeit und eine starke Eigenkapitalbasis in volatilen Märkten bedeuten.
Warum das wichtig ist: In schwierigen Märkten können starke Netzwerke und Kapitalstärke zum strategischen Abstand werden. Die offene Frage ist, ob kleinere und asset-light Spediteure denselben antizyklischen Kurs überhaupt finanzieren können.
🤖 Agentic AI: Warum Speditionssoftware wieder spannend wird
Nach den Boomjahren 2022 bis 2025 war es im LogTech-Softwaremarkt deutlich ruhiger geworden. Wachstumskapital floss weniger leicht, viele klassische SaaS-Modelle wirkten schwer skalierbar und das fragmentierte Speditionsumfeld blieb operativ sperrig.
Jetzt kommt durch Agentic AI wieder Bewegung in den Markt. Nexcade automatisiert Spot Quotes, Ratenabfragen und Order Entry. Zauber arbeitet direkt im Dispo-Alltag. Levity setzt auf No-Code Workflows für mittelständische Speditionen. Conlio automatisiert Frachtprüfung, Standgelder und Sonderkosten.
Der gemeinsame Nenner: Alle greifen unstrukturierte Daten an. E Mails, Dokumente, Abrechnungen, Ratenanfragen und operative Sonderfälle sind genau die Bereiche, in denen klassische Software oft an Grenzen stößt.
Warum das wichtig ist: Wenn AI nicht nur analysiert, sondern operative Arbeit in bestehenden Prozessen übernimmt, kann sich Software im Speditionsalltag anders rechnen als frühere Plattformversprechen. Am Ende entscheidet aber weiterhin der ROI.
🧠 C.H. Robinson: AI Effizienz ist auch eine Operating Model Frage
C.H. Robinson meldet seit Ende 2022 mehr als 60 Prozent Produktivitätssteigerung in NAST und Global Forwarding. Gleichzeitig lag der durchschnittliche Headcount im zweiten Quartal 2026 bei 11.471 nach 12.858 im Vorjahr. Also rund 1.400 Mitarbeitende weniger.
Interessant ist nicht nur diese Zahl. Interessant ist, wie vorsichtig C.H. Robinson darüber spricht. Offiziell geht es nicht darum, Menschen aus dem Prozess zu nehmen, sondern Arbeit besser zu machen, Servicequalität zu erhöhen und Mitarbeitende auf höherwertige Aufgaben zu fokussieren.
Diese Kommunikation ist nachvollziehbar. Mitarbeitende sollen keine Angst bekommen. Kunden sollen nicht das Gefühl haben, dass Verantwortung automatisiert verschwindet. Investoren sollen Effizienz sehen, ohne dass das operative Risiko größer wirkt.
Warum das wichtig ist: AI in der Logistik ist nicht nur eine Technologiefrage. Es geht auch darum, wer Verantwortung übernimmt, wenn ein Workflow automatisiert ist und trotzdem etwas schief läuft.
🌍 DP World: Fudschaira als Sicherheitsventil für die Schifffahrt
DP World soll an der Ostküste der Emirate zwei neue Terminals betreiben. Der Standort Fudschaira liegt strategisch am Indischen Ozean und kann Schiffe entlasten, die sonst durch die Straße von Hormuz und weiter Richtung Jebel Ali müssen.
Geplant ist eine Startkapazität von rund 2,5 Millionen TEU. Dazu kommt die Rolle Fudschairas als einer der großen Bunkerhäfen der Welt, der Anschluss an Rohölnetze und die Verbindung über Etihad Rail ins Inland.
Der Punkt ist nicht nur zusätzliche Hafenfläche. Es geht um Resilienz in einem geopolitischen Hotspot. Wenn Seewege blockiert oder verzögert werden, kann ein alternativer Umschlagpunkt vor der engen Seestraße operativ wertvoll werden.
Warum das wichtig ist: Hafeninfrastruktur wird zunehmend als geopolitisches Sicherheitsventil geplant. Wer Transportströme kontrollieren und Ausweichoptionen anbieten kann, schafft nicht nur Kapazität, sondern strategische Handlungsfähigkeit.
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